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Inhalt

Ablauf und Protokoll

1. Begrüßung, Projektvorstellung und Vorstellung der Teilnehmer

Zu Beginn des Workshops begrüßt Herr Dr. Thomas Kahlisch die Teilnehmer und stellt die Ziele und Schwerpunkte des Projekts »Barrierefreie Lexika« vor. Hauptaugenmerk liegt im Projekt auf Anbahnung einer Zielvereinbarung für barrierefreie Nachschlagewerke. Wichtiges Ziel ist es, Anbietern digitaler Nachschlagewerke Anforderungen an barrierefreie Nachschlagewerke zu unterbreiten und Wege zu einer besseren Gestaltung von Produkten zu erkunden.
Die Workshopteilnehmer stellen sich kurz persönlich vor.

2. Vorstellung der Bandbreite von Nachschlagewerken

Karsten Sachse, Lektor der DZB Leipzig, präsentiert in einem Kurzvortrag die große Bandbreite des Angebotes an Nachschlagewerken und Lexika. Seine Ausführungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Angesichts der Bandbreite vorhandener Nachschlagewerke muss im Rahmen des Projektes deren Erreichbarkeit durch blinde Nutzer zunächst als wichtigstes Kriterium behandelt werden. Deshalb erfolgt eine Eingrenzung auf online zugängliche Nachschlagewerke. Bei diesen wiederum handelt es sich vorrangig um Lexika und Wörterbücher.

Deren Anbieter haben unterschiedliche Organisations- und Eigentumsstrukturen, deren Spektrum von der einzelnen Privatperson über die wissenschaftliche Forschungseinrichtung bis zur staatlichen Stelle reicht. Ebenso groß ist die Vielfalt der in den online zugänglichen Nachschlagewerken abgehandelten Themen bzw. Wissensbereiche.

Die anzutreffende Heterogenität von Anbietern und Themen lässt stark differenzierte Ausprägungen des jeweiligen Grades der Barrierefreiheit vermuten.

Download Präsentation (.pdf, 90 KB)

3. Testergebnisse der Barrierefreiheit von Online-Lexika

Sebastian Brückner, IT-Experte der DZB im Bereich barrierefreie Gestaltung von Internetangeboten, präsentiert die Ergebnisse des kurzen Tests von 10 Web-Auftritten.

Untersucht wurde die Barrierefreiheit von Online-Nachschlagewerken. Aus einer Liste von insgesamt 39 Angeboten wurden 10 ausgewählt:

Aufbauend auf den Anforderungen der BITV an barrierefreie Internetseiten entwickelte das Projekt BIK einen BITV-Test, der Webangebote in 52 Prüfschritten auf Barrierefreiheit testet. Aus dem BITV-Test wurden für diesen überblickartigen Kurztest einige Prüfschritte ausgewählt, die grundlegende Dinge für Barrierefreiheit fordern:

  • Verwendung von Alternativtexten für Bedienelemente, Grafiken und Symbole
  • Einhaltung von ausreichenden Helligkeitskontrasten für Schriften und Grafiken
  • Strukturierung der Inhalte
  • Tastaturbedienbarkeit
  • Skalierbarkeit
  • Validität des HTML-Quelltextes
  • Vermeidung von Layouttabellen
  • Korrekte Angabe der Hauptsprache

Als Testergebnis ist festzuhalten, dass keines der getesteten Online-Nachschlagewerke »sehr gut zugänglich« ist. Einige wenige sind gut, viele Anbieter bewegen sich im Mittelfeld mit kleineren bis mittleren Problemen. Es gab jedoch auch Seiten, die durch grobe Fehler als »schlecht zugänglich« einzustufen sind.

Häufigste Fehler waren die Verwendung von Layouttabellen, die falsche/keine Angabe der Hauptsprache und die Validität des HTML-Quelltextes.

4. Gliederung und Vorstellung einer Studienarbeit zum Thema: »Barrierefreier Zugang zu Softwarelösungen für Nachschlagewerke« von Anette Jeschke, Studiengang Verlagsherstellung, HTWK Leipzig

Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Angebot von Softwarelösungen für digitale Nachschlagewerke aus deutschen Verlagshäusern. Schwerpunktmäßig findet in der Kooperation mit der DZB Leipzig eine Betrachtung der Blinden- und Sehbehindertenbedürfnisse im Umgang mit Nachschlagesoftware statt.

Die drei Hauptzielstellungen der Arbeit sehen folgende Schritte vor:

  1. Diskussion der vorhandenen Testverfahren und Anforderungen für barrierefreie Informationstechnik
  2. Erstellen eines Anforderungskataloges an barrierefreie Softwarelösungen für Nachschlagewerke
  3. Überprüfung der Anforderungen mittels eines Vortests von zwei Produkten

Das methodische Vorgehen der Arbeit sieht im theoretischen Teil eine intensive Einarbeitung in die Gesetzgebung, Normen und Richtlinien vor, um daraus einen Anforderungskatalog für digitale Nachschlagewerke als Softwarelösung zu erstellen.

Daraufhin soll in der konkreten Produktbetrachtung mit zwei betroffenen Testpersonen (blinde und sehbehinderte Mitarbeiter an der DZB) mittels des Vortests die Handhabbarkeit der ausgewählten Software näher betrachtet werden.
Momentan besteht der Kontakt zu den Verlagshäusern Bibliografisches Institut, Mannheim und wissenmedia (Bertelsmann), Gütersloh. Das Interesse an einer Zusammenarbeit wurde bereits signalisiert. Auf Basis des Anforderungskataloges sollen die Tests durchgeführt und ausgewertet werden. Daraufhin kann eine Mängelliste, sowie eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen für die bessere Gebrauchstauglichkeit, besonders unter Aspekten der Barrierefreiheit, ausgearbeitet werden.
Im letzten Schritt der Arbeit sollen, möglichst in einem persönlichen Kontakt zu den Anbietern, Lösungsansätze gefunden werden, um eine Verbesserung des Produktes anzustreben. Im Rahmen des Projektes wird angestrebt, ein Gespräch mit den Zuständigen im Verlag vor Ort zu führen und gegebenenfalls gemeinsam über die bisherigen Aktivitäten im Bereich der barrierefreien Aufbereitung von Inhalten zu sprechen.

Die Diplomarbeit soll einen Baustein des großen Zieles der Barrierefreien Informationstechnologie bilden und besonders im Bereich der Verlage und deren Softwarelösungen für Nachschlagewerke auf das Thema aufmerksam machen. Die Auswahl von zwei Produkten zum konkreten Testen bildet exemplarisch ab, wie die momentane Situation im Umgang mit den digitalen Nachschlagewerken aussieht.
Dabei bleibt es Ziel, die Usability, den Ansatz des Universal Design und die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen im Gebrauch von Nachschlage- Software zu optimieren.

Download Präsentation (.pdf, 105 KB)

5. Erarbeitung eines Anforderungskataloges

Ein erster Entwurf des Anforderungskataloges wird von Fr. Jeschke vorgestellt und von den Workshopteilnehmern intensiv diskutiert. Fr. Jeschke greift viele Anregungen der teilnehmenden Experten auf und wird diese in eine überarbeitete Version der Anforderungen einarbeiten.

Der Anforderungskatalog wird im Herbst nach Fertigstellung der Diplomarbeit in einem zweiten Workshop vorgestellt.

6. Abstimmung zur weiteren Zusammenarbeit

Die Abstimmung ergibt, dass eine Zusammenfassung der Kurztestergebnisse von Herr Brückner erstellt und in einem sensibilisierenden Anschreiben durch Herrn Dr. Kahlisch an die Verlage/ Internetseitenanbieter übermittelt werden soll. Eine Veröffentlichung der Testergebnisse soll nur mit Zustimmung des Verlages erfolgen. Es geht darum, die Anbieter über die Thematik zu informieren und sie nicht abzuschrecken bzw. bloßzustellen.

Ergänzend werden drei weitere wichtige Online-Nachschlagewerke (Wikipedia, leo.org, und oxfordadvancedlearnersdictionary) von Herrn Brückner mit dem Kurztest geprüft.

Frau Jeschke wird eine Expertenbefragung und Einzeltests mit den Workshopteilnehmern durchführen. Frau Jeschke wird außerdem an die von ihr gewählten 2 Verlage bezüglich der Barrierefreiheit und Aktualität der Software herantreten.

Es wird einen 2. Workshop im Herbst 2011, mit den gleichen Teilnehmern und Gästen aus der Verlagsbranche, geben. Für diesen ist die Vorstellung des überarbeiteten Anforderungskataloges geplant.

7. Sonstiges

Nach Abschluss der regulären Tagespunkte werden weitere Kriterien vorgeschlagen, die es zu bedenken gibt z. B. die Einbeziehung hörgeschädigter Menschen oder die Integration von Leichter Sprache in das Projekt.
Herr Dr. Kahlisch weist darauf hin, dass der verwendete BIK-Test wie auch der ABI-Test allgemeine Kriterien der Barrierefreiheit berücksichtigt und nicht behinderungsspezifisch ist. Auf diese Art und Weise werden im Projekt die Interessen aller Menschen berücksichtigt.

 

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